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Natürlich steht der Rücktritt unseres Bundespräsidenten in allen Zeitungen und Online-Medien und bald wird jede Story in jeder Talkshow mindestens einmal durchdiskutiert worden sein. Man mag dazu stehen, wie man will – dies alles findet auf der großen politischen Bühne statt. Doch haben diese Entwicklungen auch Auswirkungen im täglichen Leben eines 13-Jährigen oder eines Kinderarztes?

Vielleicht interessieren die Vorgänge der letzten Tage und Wochen jemanden, der um seine 4 in Mathe kämpft oder sich mit Lehrern und Mitschülern auseinandersetzen muss, sich von den Eltern unverstanden oder gesundheitlich angeschlagen fühlt, nur am Rande. Eine Entwicklung ist jedoch klar erkennbar: Leitungspersönlichkeiten, welche sich durch Integrität und Zuverlässigkeit auszeichnen, welche Vorbildcharakter haben und die ihre Arbeit wirklich zum Wohle anderer tun, gibt es immer weniger.

Es ist sicherlich nachvollziehbar, dass die politische und wirtschaftliche Bühne einem Minenfeld gleicht, und manch ein Versäumnis sich mittelfristig rächt. Allerdings ist es einem Teenager schwer zu vermitteln, dass es heutzutage schon eine Ausnahmeerscheinung ist, wenn Politiker oder führende Leute aus der Wirtschaft einfach ihren Job von A bis Z machen, ohne aufgrund von Skandalen und rechtlicher Grauzonen das vorzeitige Aus anzusteuern.

Als Kinderarzt wird von mir verlangt, meinen Job gewissenhaft und fachlich über jeden Zweifel erhaben zu tun. Weiterbildungen, Dokumentationen jeglicher Art und Rechenschaft gegenüber Kassen, Ärztevereinigungen und, und , und… – vieles ist nachvollziehbar und soll auch so sein. Aber könnte es möglich sein, dass das ständige Auf und Ab der Leitungspersönlichkeiten eines ganzen Volkes die heranwachsende Generation mehr ihrer Vorbilder und Orientierung beraubt, als ein Disput auf dem Schulhof?

Woran sollen sich Kinder orientieren? Viel bleibt nicht mehr übrig…